Gute Mütter? Gute Väter? – Traditionelle Rollenbilder (Teil 2 von 3) | 26.08.2014

Dies ist der zweite Teil einer Blog-Reihe zum Vereinbarkeit von Beruf und Familie und Rollenbilder. Den ersten Teil finden Sie hier: http://www.work-life-coaching.de/2014/08/rollenbilder-vereinbarkeit-teil-1-von-3/

Die Mutter

Das “traditionelle” Mutterbild hat seinen Ursprung in der protestantischen Reformation, erlebte seine Blütezeit jedoch in den 50er und frühen 60er Jahren des 20. Jahrhunderts. Diese lange Tradition, die sich in Deutschland historisch einzigartig stark entwickelt hat, wirkt bis heute fort. Es gibt allerdings einen deutlichen Unterschied zwischen dem Mutterbild in der alten Bundesrepublik und dem in der DDR.

In der alten Bundesrepublik wurde politisch und gesellschaftlich unterstützt, dass alle Frauen Mütter werden sollten, da Mutterschaft als ihre Lebenserfüllung und als “Essenz” ihrer Weiblichkeit gesehen wurde. Aus ihr würden sie eine tiefe Befriedigung gewinnen: Mutterschaft sei eine ganz und gar positive Erfahrung.

Mütter sollten verheiratet sein und ihren Beruf zugunsten ihrer Kinder aufgegeben haben, also Hausfrauen sein. Sie sind nahezu ausschließlich für die Erziehung, Versorgung und Betreuung der Kinder zuständig, da sie hierfür am besten geeignet seien: Sie wären von Natur aus liebevoll, selbstlos, fürsorglich, treusorgend, empathisch, zärtlich, emotional, aufopferungsbereit, familienorientiert usw.

So wäre es ganz “normal” und „natürlich“, wenn sie sich intensiv um ihre Kinder kümmern. Zudem benötigen Säuglinge und Kleinkinder für eine gesunde Entwicklung die vollkommene Präsenz ihrer Mütter – wofür u. a. die wissenschaftlichen Erkenntnisse der Bindungstheorie und klassischen Psychoanalyse sprechen. Sie könnten sich nur positiv entwickeln, wenn Mütter ihren Bedürfnissen die höchste Priorität einräumen, sich ihnen anpassen und sich emotional stark für sie engagieren.

Ganz anders die politische und gesellschaftliche Entwicklung in der DDR: Dort wurden die Frauen als Arbeitskräfte benötigt und der Staat übernahm die Aufgabe hierfür die erforderlichen Rahmenbedingungen zu schaffen. So wurden Kinderkrippen, -gärten und sogenannte Dauerheime geschaffen, um es Müttern zu ermöglichen trotz Familie einer Vollzeit-Berufstätigkeit nachzugehen.

Der Vater

Väter sollten ebenfalls der „Natur“ folgend für folgendes zuständig sein: Kultur, alles Geistige, Autorität, Gesetz und Ordnung, sie sind für das Kind immer ungewiss. Die Aufgabe des Vaters war nach Römischen Recht und im Christentum die Trennung von Mutter und Kind (Gesetz d. Inzest). Die dem traditionellen Rollenbild folgende Hauptaufgabe des Vaters ist die materielle Absicherung und Ernährung der Familie.

Diese traditionellen Rollenbilder wurden durch die deutsche Politik seit der Weimarer Republik kontinuierlich gefestigt – und werden es noch heute durch Maßnahmen wie das Ehegattensplitting oder das Betreuungsgeld. Wie groß die Wirkung dieser Politik und gesellschaftlichen Werteentwicklung ist, erkennt man an den unterschiedlichen Situationen der Vereinbarkeit von Beruf und Familie in anderen europäischen Ländern. Allein die Deutschen, die in der DDR sozialisiert wurden, haben zu vielen Themen der Vereinbarkeit andere Einstellungen, als westdeutsch Sozialisierte.

Dies ist der 2. Teil einer Blog-Reihe zum Thema “Der Einfluss traditioneller Rollenbilder auf die persönliche Vereinbarkeit von Beruf und Familie”. Im dritten Teil wird es um die Entwicklung eines persönlichen Modells der Vereinbarkeit von Beruf und Familie gehen.

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